Erster Carrier-Versuch prEN 16777 zur Viruzidieprüfung veröffentlicht

Erster Carrier-Versuch prEN 16777 zur Viruzidieprüfung veröffentlicht

Im September 2014 wurde mit der prEN 16777 die erste Phase 2 Stufe 2 europäische Norm für die viruzide Wirksamkeitsprüfung von Flächendesinfektionsmitteln auf nicht-porösen Edelstahlplättchen veröffentlicht. Mit der abschließenden Publikation der EN 16777 ist im Jahr 2015 zu rechnen. Mit Adenovirus Type 5 und dem murine Norovirus (MNV) Stamm S99 als Testviren wird die Anwendungsempfehlung von Oberflächendesinfektionsmitteln erheblich verbessert, weil nun ein praxisnahes Verfahren zur viruziden Wirksamkeitsbewertung zur Verfügung steht.

Bisher war die EN 14476 (Phase 2, Stufe 1) als quantitativer Suspensionsversuch mit Polio, Adeno und Norovirus die Basis für Wirksamkeitsbewertungen von Flächendesinfektionsmitteln. Der erfolgreiche Inaktivierungstest nach EN 14476 erlaubte eine viruzide Auslobung des Produkts. Jedoch unterscheidet sich die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels oftmals erheblich, abhängig davon, ob die Prüfung in-vitro (Quantitativer Suspensionstest) oder in-vivo (Keimträgertest) durchgeführt wird. Mit der prEN 16777 ist nun eine praxisnahe Prüfung verfügbar, die realistischere Anwendungsempfehlungen erlaubt und zusammen mit der EN 14476 die Basis für Zulassungen nach der EU-Biozidverordnung ist.

In dieser prEN wird eine Virussuspension zusammen mit einer organischen Belastung (Virusinokulum) auf einer Edelstahlplatte getrocknet bevor das Desinfektionsmittel hinzugefügt wird. Sobald die gewählte Einwirkzeit erreicht wurde, beginnt ein Rückgewinnungsprozess, um die verbleibende virale Infektiösität zu bestimmen. Unser Labor ist sehr erfahren mit Keimträgerversuchen und war an der Entwicklung der Verfahren maßgeblich beteiligt. Bereits seit 2008 untersuchen wir die Wirksamkeit verschiedener Wirkstoffe gegen das murine Norovirus im Keimträgerversuch (Magulski et al. 2009). Außerdem waren wir an dem Ringversuch des DVV (Rabenau et al. 2014) und allen europäischen Keimträger-Ringversuchen mit MNV und Adenovirus Typ 5 beteiligt. Zusätzlich hat unser Labor 2008 an dem OECD-Ringversuch mit Adenovirus zur Prüfung Peressigsäure-basierter Formulierungen teilgenommen.